Persönlicher Bericht aus Kobanê

Persönlicher Bericht aus Kobanê

Am 2. Februar hat die Projektgruppe „Schule ohne Rassismus“ zu einer besonderen Veranstaltung im Rahmen des Solidaritätsprojekts für die syrisch-kurdische Stadt Kobanê eingeladen: Frau Meike Nack, die seit mehr als einem Jahr in der Region Rojava im Norden Syriens arbeitet, war zu Gast an der Schule und berichtete vor den KlassensprecherInnen, der Projektgruppe und interessierten Lehrkräften über die aktuelle Situation vor Ort.

Frau Nack ist gebürtige Oldenburgerin und kennt Kobanê durch ihre Arbeit zur Unterstützung von Frauen und Kindern1) in der syrischen Grenzregion zur Türkei. Anschaulich berichtete sie von den Gegensätzen, die die Situation der Bevölkerung zurzeit prägen.

16-Vortrag Rojava

Seit der erfolgreichen Verteidigung des Gebietes Kobanê gegen die Angriffe des sog. „Islamischen Staats“ Anfang letzten Jahres sind bereits zwei Drittel der Bevölkerung wieder in die Stadt und die umliegenden Dörfer zurückgekehrt. Mit Stolz engagieren sich die Menschen für den Aufbau einer neuen, besseren Gesellschaft. Schon seit dem Beginn des „arabischen Frühlings“ im Jahr 2012 werden in der Region Rojava (kurdisch: Westen) im überwiegend kurdisch bewohnten Norden Syriens demokratisch organisierte Selbstverwaltungen gebildet, in denen die Gleichberechtigung der verschiedenen Religions- und Volksgruppen sowie der Frauen und Männer programmatisch festgelegt ist. Gleichzeitig wird dieser Prozess durch Grenzschließungen von außen extrem behindert und nach wie vor durch Belagerung bedroht. Es kann fast kein Warenverkehr stattfinden und sogar Hilfslieferungen werden an der nördlichen Grenze zur Türkei gestoppt. Das erschwert den Wiederaufbau der Stadt stark und behindert die Gesundheitsversorgung der Menschen. Im Süden ist das Gebiet nach wie vor durch den sog. „Islamischen Staat“ bedroht.

Auch die Situation der Schulen in Kobanê ist durch diesen Gegensatz geprägt. Im September 2015 konnte in 7 von zuvor 15 Schulen der Stadt der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Engagierte Lehrer/innen bemühen sich um eine gute schulische Versorgung, dafür fehlen aber sowohl weitere Gebäude als auch Lehr- und Arbeitsmaterialien.

Angesichts dieser Situation haben Solidaritäts- und Schulpartnerschaftsprojekte wie das der OBS Eversten und der Helene Lange Schule nach Einschätzung von Frau Nack eine wichtige Bedeutung, zur finanziellen Hilfe ebenso wie als Signal einer internationalen Unterstützung und Anerkennung.

Alle Gremien der OBS Eversten haben eine Fortsetzung des Kobanê-Projekts in diesem Jahr bereits beschlossen und ein Brief der Projektgruppe an die Partnerschule in Kobanê ist unterwegs. Außerdem zeigt die Gruppe zusammen mit der Projektgruppe der Helene Lange Schule in den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ im März die Fotoausstellung „back to rojava“ der Hilfsorganisation „medico international“, zu deren Eröffnungsveranstaltung auch Frau Nack wieder nach Oldenburg kommen wird. Für den September ist dann der zweite große Spendenlauf beider Schulen geplant.

Die Veranstaltung mit Meike Nack hat uns in diesen Vorhaben sehr bestätigt.

1) Frau Nack arbeitet im Rahmen der „Stiftung der Freien Frauen in Rojava“, www.weqfajinaazad.org