Mit 25 000 Euro „Die Welt ein wenig besser machen“

Mit 25 000 Euro „Die Welt ein wenig besser machen“

Jetzt erst recht – so kann wohl die Haltung am besten beschrieben werden, mit der sich am 5. September ca. 1600 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Eversten, der IGS Helene Lange Schule und des 7. Jahrgangs der IGS Flötenteich auf den Weg zum 3. Spendenlauf für den Wiederaufbau der Schulen im nordsyrischen Kobanê im Eversten Holz machten. Nun wurden die Spenden eingesammelt und gezählt. Und das Ergebnis bestätigt die Haltung: 25 000 Euro Spenden konnten die Läuferinnen und Läufer in diesem Jahr zusammentragen. Ein Betrag, der sich sehen lassen kann, und der nach wie vor dringend gebraucht wird. Über die Verwendung der diesjährigen Spenden aus dem Projekt wollten Lehrkräfte aus Nordsyrien, die als Gäste nach Oldenburg eingeladen waren, persönlich berichten. Doch dazu kam es nicht. Was war geschehen und wie wird das Projekt nun fortgesetzt

Erfolgreiche Solidarität seit 3 Jahren

„Ihr zeigt, dass wir nicht ohnmächtig sind, um die Welt ein wenig besser zu machen.“ Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeisterin Christine Wolff am 3. September zusammen mit den Schulleitungen der IGS Helene-Lange-Schule und der OBS Eversten den diesjährigen Spendenlauf der beiden Schulen für den Wiederaufbau der Schulen in Kobanê/Nordsyrien. Seit drei Jahren arbeiten die Schulen in dem inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Solidaritäts- und Schulpartnerschaftsprojekt mit Schulen in Kobanê. Neben zwei erfolgreichen Spendensammlungen haben sie im letzten Jahr Schulpartnerschaften mit zwei Schulen in Nordsyrien abgeschlossen.

Und auch in diesem Jahr hat sich das Projekt weiter verbreitert: der 3. Spendenlauf für den Wiederaufbau der Schulen in Kobanê am 5.9.2017 im Eversten Holz wurde diesmal gemeinsam von der Bürgermeisterin Frau Wolff, als Vertreterin der Stadt Oldenburg, und den beiden Schulleitungen der OBS Eversten und der IGS Helene-Lange-Schule eröffnet. Darüber hinaus waren mit dem 7. Jahrgang der IGS Flötenteich diesmal auch 180 zusätzliche Läufer_innen (insgesamt dann ca. 1600) sowie deren Lehrkräfte und Sponsoren beteiligt. Musikalische Darbietungen der Bläserklassen der beiden Gesamtschulen, eindrucksvolle Ansprachen und ein Stand mit gespendeten Leckereien als Rahmenprogramm verliehen dem Spendenlauf den Charakter eines großen gemeinsamen Schulfests. Und die Fröhlichkeit sowie das Engagement der vielen Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und Besucherinnen ließen den im Grunde ernsthaften Anlass und Inhalt des Projekts für den Moment etwas in den Hintergrund treten.

Seit dem Beginn des Solidaritätsprojekts mit den Schulen in Kobanê Ende 2014 hat seine Zielsetzung weder an Bedeutung noch an Aktualität verloren, im Gegenteil: Der Krieg in Syrien dauert an, und die Region Nordsyrien/Rojava, zu der Kobanê gehört, wird nach wie vor durch Grenzschließungen und -kontrollen in ihrem Aufbau behindert und durch militärische Angriffe bedroht. Gleichzeitig hat die Föderation Nordsyrien viele geflüchtete Menschen aus aktuell umkämpften Gebieten aufgenommen, was die Aufgabe des Wiederaufbaus der Schulen und einer flächendeckenden schulischen Versorgung zusätzlich erschwert. Angesichts der Tatsache, dass weltweit 75 Millionen Kinder aufgrund von Kriegs- und Krisensituationen keine Schule besuchen können (vgl. Globale Bildungskampagne), ist das Projekt der Oldenburger Schulen ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Realisierung des Rechts auf Bildung für die vom Krieg betroffenen Kinder in der Region. Der Wiederaufbau der Schulen hilft den Kindern bei der Bewältigung des Lebensalltags und er vermindert die Gründe der Flucht, weil er den Familien vor Ort eine Zukunftsperspektive für ihre Kinder bietet. Mehrfach haben Verantwortliche aus Kobanê betont, dass das Oldenburger Schulprojekt vor Ort sehr geschätzt wird, und dass der Bedarf an Unterstützung noch groß ist, um allen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen und sie mit Materialien auszustatten. Mit 25000 € in diesem Jahr, und somit inzwischen 63000 € insgesamt leisten die Oldenburger Schulen einen wichtigen Beitrag.

„Schule ohne Rassismus“ ein Beitrag zur Inklusion

„Und nicht nur das, ihr sorgt auch bei uns dafür, dass Rassismus und Ausländerfeindlichkeit keinen Platz finden.“ In diesem Sinne dankte die Bürgermeisterin den Schulen auch für den Beitrag, den das Kobanê-Schulprojekt für die Stadt Oldenburg leistet. Auch den Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflüchtet sind, müsse sich Oldenburg als weltoffene und tolerante Stadt zeigen und sie willkommen heißen. Auf diese Bedeutung des Projekts haben auch die Schulen in ihren Veröffentlichungen bereits hingewiesen. Vor allem im letzten Jahr sind viele Schülerinnen und Schüler aus Nordsyrien und dem Nordirak als Geflüchtete an die Oldenburger Schulen gekommen, und viele Familien, die schon lange hier leben, haben verwandtschaftliche Beziehungen in die Region. Gerade in Oldenburg ist der Gedanke der inklusiven Schule besonders verankert, und das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zu einem breiteren Verständnis davon: Viele Schüler_innen und ihre Familien sind oder waren in ihren Herkunftsländern von rassistischer Verfolgung und Angriffen persönlich betroffen. Das prägt ihr Denken, ihr Handeln und ihre Persönlichkeit. Mit dem Engagement für den Wiederaufbau in Kobanê wird dies wahrgenommen, thematisiert und exemplarisch wird eine Möglichkeit zum gemeinsamen praktischen Handeln mit den neuen Schülerinnen und Schülern angeboten. Denn Kobanê gilt als Symbol für die Verteidigung gegen die Angriffe des sog. Islamischen Staats und für ein friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Geschlechter. Und so steht auch das Kobanê-Projekt der OBSE und der HLS im Rahmen des bundesweiten Netzwerks „Schule ohne Rassismus“, dem sich die beiden Schulen angeschlossen haben.

Mit Schulpartnerschaften Austausch ermöglichen

„Lasst euch nicht beirren und stellt euch weiterhin an die Seite von Menschen, die Unterstützung brauchen.“ Die ermutigende Aufforderung Frau Wolffs am Ende ihrer Eröffnungsrede lenkte auch den großen Wermutstropfen beim diesjährigen Spendenlauf in die richtige Richtung. Im letzten Jahr haben die HLS und die OBSE offizielle Schulpartnerschaften mit zwei Schulen im nordsyrischen Kanton Kobanê abgeschlossen. Erstmals sollte nun ab Ende August eine Gruppe von Lehrkräften die Partnerschulen in Oldenburg besuchen, um die zukünftigen Themen und Formen des Austauschs zwischen Lehrkräften und Schüler_innen beider Orte persönlich zu besprechen. Hospitationen und Gespräche an den Schulen und die Teilnahme am Spendenlauf sollten Teil eines vielfältigen Besuchsprogramms werden. Neben einem Empfang im Bundestag und im Oldenburger Rathaus waren darin auch Stadtführungen und Ausflüge sowie Einladungen der Bildungsgewerkschaft GEW und öffentliche Veranstaltungen zur Bildungssituation in Nordsyrien in mehreren Städten vorgesehen. Unter dem Titel „Zukunft der Bildung in Nordsyrien/Rojava – mit Gästen der Partnerschulen aus Kobanê und Oldenburg“ luden die Schulen für den 29.08. um 18.30 Uhr in den Vortragssaal des PFL zu einer öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung ein. Aber zu all dem kam es nicht, und fast alle Veranstaltungen des Programms mussten abgesagt werden. Die Lehrkräfte aus Nordsyrien, die länger als zwei Wochen in Beirut auf ihre Visa gewartet hatten, bekamen von der zuständigen Deutschen Botschaft keine Einreiseerlaubnis. Nach wie vor sind die Gründe für die Ablehnung der Visaanträge für die Oldenburger Schulen nicht nachvollziehbar. Schon seit mehreren Wochen hatten der Botschaft die Einladung von Herrn Meiwald (MdB) und das Besuchsprogramm vorgelegen, und auch die Gäste hatten alle erforderlichen Unterlagen vorgelegt. Es war bekannt, und Herr Meiwald wies nach Ablehnung der Visa nochmals darauf hin, dass das Schulpartnerschaftsprojekt unter anderem durch das Niedersächsische Kultusministerium gefördert wird. Dennoch wurden die Visa nicht ausgestellt, die geladenen Gäste mussten wieder nach Kobanê zurückreisen.

Die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der Oldenburger Schulen waren und sind fassungslos und traurig, insbesondere die Gruppen „Schule ohne Rassismus“, die das Partnerschaftsprojekt vor fast drei Jahren initiiert und seitdem immer breitere Unterstützung innerhalb und außerhalb der Schulen erfahren haben. Sie sind jedoch entschlossen, das Projekt fortsetzen und werden ihre Bemühungen nicht aufgeben, in naher Zukunft eine persönliche Begegnung mit den Vertreter_innen aus Kobanê zu erreichen. Die OBSE und die HLS bedanken sich herzlich für die bisherige breite Unterstützung in der Stadt Oldenburg und darüber hinaus.

Auch der hohe Spendenbetrag in diesem Jahr und die Unterstützung aus der IGS Flötenteich sowie der Stadt Oldenburg geben ihnen Recht. Doch für eine Realisierung des persönlichen Austauschs mit den Partnerschulen in Kobanê bedarf es offensichtlich noch breiterer Unterstützung der Öffentlichkeit. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich an die Schulen wenden.

Projektverantwortliche „Schule ohne Rassismus“:

OBS Eversten mailto:birgit.zwikirsch@obs-eversten.de

Helene-Lange-Schule mailto:s.gadeberg@hls.de

Weiter Informationen finden Sie unter:

NWZonline: Schüler erlaufen 25 000 € für Kobanê

oeins: angekommen? (Sendung vom 4.10.2017)

oeins: Lokalfenster (Sendung vom 8.9.2017, Ausschnitt von Minute 08.23-12.05)