Ein notwendiger Tropfen auf den heißen Stein in Kobanê

Ein notwendiger Tropfen auf den heißen Stein in Kobanê

Oldenburger Schulen übergeben 25.000 Euro für den Wiederaufbau der Schulen

Am 31.März haben die beiden Schulleiterinnen der Oberschule Eversten und der Helene-Lange-Schule sowie Vertreter*innen der Arbeitsgruppen „Schule ohne Rassismus“ den beim letzten Spendenlauf im September erlaufenen, beeindruckenden Betrag von 25 000 Euro an Herrn Dr. Masoud Hasan, Vertreter der Demokratischen Föderation Nordsyrien/Rojava in Deutschland, übergeben.

Ein erfreulicher Moment, sollte man meinen, angesichts der Tatsachen, dass an dem 3. Spendenlauf für den Wiederaufbau der Schulen in Kobanê/Nordsyrien durch die zusätzliche Beteiligung des 7. Jahrgangs der IGS Flötenteich inzwischen 1600 Schüler*innen teilgenommen hatten und dass alle mithilfe ihrer Eltern, Verwandten, Nachbarn und Freund*innen einen so großen Spendenbetrag zusammen getragen hatten. Doch ein wenig wirkte die Freude wie ein Tropfen auf den heißen Stein, denn weder die Situation in Kobanê noch die Umstände der Spendenübergabe entsprachen der ursprünglichen Vorstellung der Organisator*innen noch vor wenigen Wochen.

Während der Osterferien – so die Planung -sollte das Spendengeld im Rahmen einer überregional organisierten Delegationsreise nach Nordsyrien/Rojava von den betreuenden Lehrkräften des Oldenburger Schulprojekts direkt an die Bildungsverantwortlichen in Kobanê übergeben werden. Es sollten Besuche in den beiden Partnerschulen vor Ort sowie Gespräche über die Verwendung des aktuell gesammelten Geldes stattfinden. Über eine Internet-Übertragung sollten die Schüler*innen in Oldenburg sowie die Öffentlichkeit direkt an der Spendenübergabe teilhaben können.

Mitten in die Vorbereitungen der Reise fiel jedoch der schon seit längerem angedrohte und von den Menschen in Nordsyrien/Rojava befürchtete Angriff der türkischen Armee und der mit ihr verbündeten Milizen auf die Region Afrin, die ebenso wie Kobanê Teil der Selbstverwaltungsregion Nordsyrien/Rojava ist. Erklärtes Ziel der Invasion war und ist nach Aussagen des türkischen Präsidenten Erdogan die „Säuberung“ des gesamten, mehrheitlich kurdisch besiedelten Gebietes an der Grenze zur Türkei , in dem seit 2012 das Projekt einer demokratischen Selbstverwaltung auf der Basis von ethnischer und religiöser Vielfalt sowie von Geschlechtergerechtigkeit aufgebaut wird. Mehrere Hunderttausend Menschen wurden aus der Region Afrîn evakuiert, und auch Kobanê übernahm, bei allen noch immer selbst zu bewältigenden Aufgaben und bei allen Sorgen um die eigene Bedrohung, Verantwortung für die Versorgung der Geflüchteten in den eingerichteten Camps und in der Stadt.

An eine Delegationsreise von Lehrer*innen aus Deutschland war in dieser Situation nicht zu denken. So mussten die Geldübergabe und die Gespräche in Kobanê ausfallen, genauso wie schon der Besuch der Lehrer*innen aus Kobanê beim Spendenlauf in Oldenburg ausgefallen war, weil diese von der Deutschen Botschaft in Beirut kein Einreisevisum erhalten hatten.

Dennoch waren sich alle Beteiligten einig, dass das Spendengeld gerade in dieser aktuellen Situation möglichst bald übergeben werden sollte, um den Kindern und Jugendlichen vor Ort, trotz der zusätzlichen Belastungen durch die Nothilfe für die Geflüchteten aus Afrin, ihr Recht auf Bildung und Entwicklung gewähren zu können.   So sollte das Geld aus dem Spendenlauf die kontinuierliche Fortsetzung des Wiederaufbaus der Schulen in Kobanê unterstützen.

Spendenübergabe an der Helene-Lange Schule (Bild: HLS)
Spendenübergabe an der OBS Eversten

 

Nach einer entsprechenden Vereinbarung mit dem Vertreter der Föderation Nordsyrien, Herrn Dr. Masoud Hasan, wurden kurzfristig zwei Termine für die Übergabe der Spenden an der Oberschule Eversten und an der Helene-Lange-Schule vereinbart, an denen Schüler*innen und Lehrkräfte der Projektgruppen der beiden Schulen sowie die jeweiligen Schulleitungen, Frau Steffen und Frau Helmerichs teilnahmen. Herr Hasan berichtete ausführlich über die aktuelle Lage in Nordsyrien und beantwortete viele Fragen der interessierten Anwesenden. Im Namen der Schüler*innen und Lehrkräfte aus Kobanê bedankte er sich sehr herzlich für das kontinuierliche Engagement der Oldenburger Schulen, das für die Menschen vor Ort eine große moralische Unterstützung darstelle, und für den besonders großen Spendenbetrag.

Bereits wenige Tage später erhielten die Schulen zahlreiche aktuelle Fotos aus den jeweiligen Partnerschulen in Kobanê und Girê Spî, die das Bemühen verdeutlichen, den Kindern und Jugendlichen vor Ort auch unter schwierigen Bedingungen Bildung und Entwicklung zu ermöglichen. Ebenso wollen sich auch die Schulen in Oldenburg bemühen, die Unterstützung des Wiederaufbaus der Schulen in Nordsyrien fortzusetzen, und sie halten auch weiterhin an der Idee eines persönlichen Austauschs mit den Kolleg*innen der Partnerschulen fest, den sie so bald wie möglich realisieren möchten. Zur Fortsetzung der Spendensammlung findet im Herbst in Kooperation mit der Musikschule Oldenburg ein Benefizkonzert in der Oberschule Eversten statt.

Siehe auch: https://www.nwzonline.de/oldenburg/bildung/oldenburg-benefiz-sehr-dicker-tropfen-auf-den-heissen-stein_a_50,1,1679752815.html