Traurige Nachrichten aus Nordsyrien

Eine Nachricht aus Nordsyrien

Seit dem Jahr 2016 hat die Oberschule Eversten eine Schulpartnerschaft mit der Schule Ş. Ehmet Yasin in Girê Spî/Tal Abyad in Nordsyrien. Sie ist eine von 426 Schulen der Stadt mit insgesamt 51.200 Schülerinnen und Schülern. Die Schüler*innen wurden dort bis zum Herbst letzten Jahres in ihrer jeweiligen Muttersprache unterrichtet, entsprechend der Zusammensetzung der Bevölkerung überwiegend kurdisch und arabisch, und mit Engagement und Überzeugung zu einem friedlichen Zusammenleben erzogen.

Vom Bildungskomitee der Region haben wir nun folgenden Brief erhalten (Auszüge), der uns in großer Sorge um die Schüler*innen und Kolleg*innen unserer Partnerschule belässt und der uns vor die Frage stellt, wie wir weitere Unterstützung leisten können.

Zuerst einmal freuen wir uns jedoch darüber, dass wir mit dem Geld aus unserem Spendenlauf, über die Nothilfe-Versorgung von „medico international“ (siehe Plakat), denen geholfen haben, die aus Girê Spî und den anderen besetzten Gebieten fliehen konnten.

15.01.2020

Das Bildungskomitee der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien

(…) Das Bildungshalbjahr hat wie gewohnt am 15.09.2010 angefangen. Die Kinder waren froh und aufgeregt, wieder zur Schule gehen zu dürfen. Dieser positive Zustand hat sich plötzlich gewandelt, als der türkische rechtswidrige Angriff auf die Gebiete von Nord- und Ostsyrien am 9. Oktober 2019 begann. Die Angriffe richteten sich hauptsächlich gegen die Bezirke Serê Kaniyê und Girê Spî, und die Infrastrukturen und die Institutionen, wie Krankenhäuser, Schulen, Wasserlager und Bäckereien, wurden in den ersten Tagen bombardiert. (…) Dieses Vorgehen des türkischen Staates und seiner verbündeten Islamisten verletzt die Menschenrechte und verstößt gegen das internationale Völkerrecht.

Die Kinder, die gerade in der Schule sein müssten wie alle anderen Kinder auf der Welt, sind auf der Flucht und versuchen ihr Leben zu retten. (…)

Während der türkischen Invasion wurden bis jetzt 24 Schulen bombardiert und vollständig zerstört. Die türkischen Soldaten und ihren verbündeten Söldner benutzen viele andere Schulen als Militärbasis. Wegen der Gefahr und des aktuellen Kriegs haben wir keine weiteren Informationen und Daten über die jeweiligen Schulen bekommen können.

Darüber hinaus vollziehen der türkische Staat und seine Verbündeten eine demografische Veränderung in den von ihnen besetzten Gebieten, wodurch die Kultur der einheimischen Menschen zerstört wird. Die fremden Menschen werden nach Serê Kaniyê und Girê Spî deportiert und ihnen werden die Häuser und der Besitz der vertriebenen Menschen zugeteilt. Die lokalen Institutionen werden ins Türkische umgewandelt und die türkische Sprache wird als einzige Amts- und Bildungssprache in den besetzten Gebieten eingeführt, so wie es seit 2018 in Afrin geschehen ist. Wegen dieser schlimmen Lage sind wir sehr besorgt.

Aus diesen Gründen muss die Öffentlichkeit ihre Stimme erheben…

Das Bildungskomitee der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien